Freitag, 20. März 2015

Mohr im Hemd - die kulinarische Entdeckungsreise rund um die Welt macht heute Halt in Wien


"Meine Damen und Herren, herzlich willkommen an Bord der Viktorian Airlines. Ich hoffe, ihr Aufenthalt in Irland unter der Reiseleitung von Anna-Karina, auch bekannt als sie bäckt gern hat Ihnen gefallen und Sie sind frisch gestärkt für die weitere Reise. 

Bitte legen Sie nun den Sicherheitsgurt an, die Reise geht in wenigen Minuten los... 

Unser heutiges Ziel ist meine Heimat Österreich, genauer gesagt Wien. Um die Reisedauer etwas zu verkürzen und Sie schon einmal auf das bevorstehende Ziel einzustimmen, hören Sie nun aus den Lautsprechern den Donauwalzer. Ich wünsche Ihnen eine angenehme Reise!"



Na, seid ihr gut gelandet bei mir in Wien? Die kulinarische Entdeckungsreise geht weiter und heute nehme ich euch mit in meine Heimatstadt Wien. Als eingefleischtes Wiener Stadtkind kenne ich die Gassen in der Innenstadt natürlich alle wie meine Küchenschränke. Da kann es schon mal passieren, dass ich den Satz höre "Wer braucht schon ein Navi, wenn man dich dabei hat?", wenn man mit mir durch die Stadt schlendert.

Mohr im Hemd, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Echt. Ich liebe es so sehr (vor allem) im Frühling und Sommer durch die Stadt zu schlendern und die Leute und das hektische Treiben zu beobachten, Touristen, die aus dem Staunen manchmal nicht mehr rauskommen und manchmal verzweifelt mit dem Stadtplan in der Hand stehen, weil sie das teilweise verwinkelte Straßensystem nicht so ganz durchblicken. Ich persönlich finde ja, dass die Gassen in Wien gar nicht so verwinkelt sind, aber gut... ich kenne es ja auch nicht anders.

Und wo kann man das Treiben am besten beobachten? Riiichtiiiig! In einem der der keine Ahnung wie vielen hundert Kaffeehäuser in Wien. Dass ich die Kaffeehauskultur liebe, habe ich ja schon mal hier erwähnt. Aber ich werde nicht müde davon zu erzählen! Im Jahr 2011 hat die UNESCO die Wiener Kaffeehauskultur sogar zum Weltkulturerbe erklärt! Wahnsinn, oder? Wer in Wien zu Besuch ist, sollte sich auf jeden Fall die Zeit nehmen und einfach in einem Kaffeehaus ein bisschen verweilen. Es ist aber auch zu einladend: Marmortische (zumindest in den ganz alten, traditionellen Kaffeehäusern), das Rascheln der Zeitungen, der Kellner, alias Herr Ober mit dem weißen Hemd und einer Fliege, der einen stets begrüßt mit einem "Grüß Gott", herrlich ist das! Und wer unschlüssig ist, bzw. keinen Plan hat wohin: das Cafè Sperl, das Cafè Central oder das Cafè Prückel sind ganz heiße Adressen und fixer Bestandteil des Stadtbildes.
Die - zumindest für Nicht-Wiener - endlos lange Auswahl an den verschiedensten Kaffeesorten kann einen schon mal leicht überfordern. Aber irgendwann hat man sich durchgeackert und landet bei den Mehlspeisen. Und soll ich euch was verraten? Da geht die endlos lange Liste gleich weiter! Ha ha!

Mohr im Hemd, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Zu finden sind dort natürlich immer die Klassiker, die eigentlich jeder kennt... Apfelstrudel, Topfenstrudel, Sachertorte, Kaiserschmarrn... und meistens auch der Mohr im Hemd!
Ein leckeres kleines, saftiges und heißes Schokoküchlein mit viel Schokoladensauce und noch mehr Obersgarnitur (Sahne). Ein Traum für jeden Schokoliebhaber, die volle Schokodröhnung und sehr, sehr reichhaltig.Wer also plant einen Mohr im Hemd zu seinem Kaffee zu bestellen, der sollte vorher besser kein Schnitzel mit Kartoffelsalat essen... oder Schweinsbraten mit Kraut und Knödel... oder generell irgendwas essen. Glaubt mir, das führt unweigerlich zu diesem penetranten Gefühl der hoffnungslosen Übersättigung, der Unmöglichkeit sich zu bewegen und dem dringenden Bedürfnis sich auf die nächstbeste Couch zu legen, um in aller Ruhe ins Fresskoma zu fallen.
Aber so sind wir Wiener eben... Schleckermäuler, Süßzähne und wir zählen vielleicht vieles... aber bestimmt keine Kalorien!

Mohr im Hemd, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Leider (und ich muss wirklich sagen leider) ist die Sache nicht ganz so idyllisch wie ich sie hier beschreibe. Für die meisten Wirtshäuser und Kaffeehäuser und überhaupt für die meisten Wiener ist der Mohr im Hemd eine typische österreichische Süßspeise mit enorm viel Schokolade und viel Schlag (Sahne) oben drauf. Ich bin mit dem Begriff aufgewachsen und habe darunter nie etwas anderes, als diesen kleinen, leckeren Schokokuchen verstanden, den ich schon immer gerne genüsslichst verspeist habe.

Aber "Alle Jahre wieder" kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch die Diskussion, ob die Bezeichnung "Mohr" abgeschafft werden soll, da der Begriff als politisch nicht korrekt, veraltet, aus historischer Sicht diskriminierend, beleidigend und herabwürdigend gilt. Denn Mohr ist eine veraltete Bezeichnung für Bewohner Mauretaniens, in späterer Folge - nämlich im 16. Jhdt. - wurde Begriff ausgedehnt auf Menschen mit dunkler Hautfarbe und Sklaven. Im 18. Jhdt. begann man den Begriff Mohr durch das Wort Neger (lat., niger - schwarz) zu ersetzen. Auf die Spitze getrieben wurde es dadurch, dass zwischen dem edlen Mohren und dem primitiven Neger unterschieden wurde. Diese Diskussion ist heute allerdings - und Gott sei Dank! - obsolet!!! Es ist natürlich legitim negativ konnotierte Begriffe wie diese zu hinterfragen und darüber (auch öffentlich) zu diskutieren, denn die Sensibilität für Zuwanderung steigt zusehends. Dennoch sollte man aber vielleicht auch den Ansatz bedenken, dass der Begriff vor allem auch traditionell geprägt ist und keinen rassistischen Hintergedanken hat. Ich fühle mich schließlich auch nicht herabgewürdigt, wenn von einem Wiener Würstchen die Rede ist (die bei uns übrigens Frankfurter heißen!)...

Wer sich trotzdem über den Begriff Mohr ärgert, dem sage ich jetzt mal was: mach dir deswegen doch bitteschön nicht ins Hemd!

Mohr im Hemd, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Konzentrieren wir uns lieber wieder auf die wichtigen Dinge... nämlich auf diesen kleinen, herrlich saftigen Schokokuchen, der ähnlich einem englischen Brotpudding im Wasserbad gegart wird. Will man es ganz traditionell machen, stellt man die Förmchen in einen großen Topf mit Wasser und gibt den Deckel drauf. Es gibt mittlerweile aber auch genug Rezepte, für die zwar kein Topf nötig ist, wohl aber ein Wasserbad für den Ofen. So oder so... um das Wasserbad kommt man nicht herum! Aber glaubt mir, die Mühe lohnt sich auf jeden Fall! Aber seid gewarnt: diese Teilchen sind zwar genau das Richtige für alle Schokotiger unter euch, aber nicht unbedingt eine Empfehlung meinerseits für ein Dessert als krönenden Abschluss nach einem üppigen Dinner! (Ja, ich weiß, das habe ich zuvor schon erwähnt!)

Auch, wenn ich ja sonst nicht so der größte Fan von reinem Schlagobers bin, gehört es in diesem Fall einfach dazu. Eine dicke Haube aus Obers, die mindestens genauso groß ist wieder das Küchlein selbst, muss da unbedingt dabei sein! Und selbstverständlich darf die Schokoladensauce auch nicht fehlen. Die Sauce findet ihr heute bei Steph vom Kleinen Kuriositätenladen und ist mit nur ganz wenigen Zutaten wirklich ganz fix hergestellt!

Und all das zusammen... der warme Schokokuchen, die idealerweise warme Schokosauce und die dicke Obershaube dazu... ist einfach nur ein Traum!

Mohr im Hemd, Viktoria's [Kitchen] Secrets

Für 8 Portionen Mohr im Hemd:

- 100 g weiche Butter
- 120 g Zartbitterschokolade
- 120 g Staubzucker
- 4 Eier
- 2 bis 4 cl Rum
- 120 g geriebene Mandeln
- 30  g Mehl
- 30 g Semmelbrösel
- etwas Salz und Zimt
- 10 g Vanillezucker

- ein Becher Schlagobers für die Garnitur

Für die Schokosauce: 

- 250 ml Wasser
- 250 g brauner Zucker
- 100 g Kakao
- Mark einer Vanilleschote
- eine Prise Salz

Wasserfeste Förmchen fetten und bemehlen. Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Die Kuvertüre schmelzen und beiseite stellen.

Die Eier trennen und das Eiweiß mit der Hälfte des Zuckers und dem Salz steif schlagen.
Butter, Zucker, Zimt und Vanillezucker schaumig schlagen. Eidotter dazu geben, danach die geschmolzene Kuvertüre, den Rum und die Mandeln unterrühren.

Brösel und Mehl mischen und unter die Masse heben, am Schluss das Eiweiß.

Die Förmchen zu 3/4 befüllen und in eine tiefe Auflaufform oder in ein tiefes Backblech stellen. Die Form mit Wasser füllen, sodass die Förmchen zu mind. 2/3 im Wasser stehen.

Auf mittlerer Schiene 30 bis 35 Minuten backen. Keinefalls während der Zeit den Backofen öffnen! Stäbchenprobe machen, aber erst nach 30 Minuten!
Nach der Backzeit die Küchlein gleich aus den Förmchen stürzen.

Während der Backzeit die Schokosauce herstellen. Dafür Wasser, Zucker, Vanille und Salz in einen Topf geben und aufkochen lassen. Kakao einrühren und etwa 5 Minuten unter ständigem Rühren kochen lassen, bis die Sauce merklich eingedickt ist.
Noch heiß in eine sterilisierte Flasche füllen.

Vor dem Servieren Schlagobers steif schlagen. Ein noch heißes Küchlein auf einen Teller setzen und mit Schokoladensauce übergießen nach Belieben. Daneben oder darauf eine dicke Obershaube setzen und nach Belieben ebenfalls mit Sauce übergießen und gleich servieren.

Für den unwahrscheinlichen Fall, dass Sauce über bleibt, kann diese im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Kommentare:

  1. Liebe Viktoria,
    das ist ja ein kleiner Schokotraum. Ich bin ganz Deiner Meinung, manche Wörter gehören zu der Kultur und sind leider leider über die Jahre immer mal wieder falsch, beleidigend verwendet worden, das bedeutet jedoch nicht, dass deren kulturelle Vergangenheit in Vergessenheit gehören sollte. Dein Mohr im Hemd klingt nicht nur köstlich, er sieht auch wundervoll aus.
    ... und wie gerne würde ich jetzt das Wochenende in einem der Wiener Kaffeehäuser einläuten. :) Wundervoll.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Liebe Sarah, vielen Dank für das Kompliment! Und ja... ich finde auch, dass man manche Wörter nicht so eng fassen darf und die kulturelle/kulinarische/traditionelle immer ein wichtiger Faktor ist!

      Alles Liebe,
      Viktoria

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  2. Wow, sieht total lecker aus! Das wird bald definitiv mal nachgebacken! Ein tolles Wochenende wünsche ich dir!

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  3. Das Rezept finde ich total spannend, Viktoria! Zwar hatte ich mal irgendwo den Ausdruck 'Mohr im Hemd' gehört, aber nie gewusst was dahinter steckt. Vielen Dank für den Exkurs! Dieses Rezept werde ich ganz sicher einmal nachbacken.
    Und was den Mohren oder Neger angeht, sehe ich das nicht verkniffen. Denn letztendlich ist der, der sich darüber aufregt, derjenige, der damit ein Problem hat und etwas hinein interpretiert, das gar nicht so gemeint ist.
    Liebe Grüße Maren

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    1. Liebe Maren, vielen Dank für deinen netten Kommentar! Ich sehe das auch so wie du, nämlich nicht so verkniffen, viele regen sich aber dennoch sehr übertrieben deswegen auf!
      Alles Liebe
      Viktoria

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  4. Ahhhh, ich liebe Mohr im Hemd :-). Wenn ich in Wien bin oder einem österreichischen Restaurant, muss der immer sein - yummi. Lieben Dank für das Rezept.
    Liebe Grüße,
    Daniela

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