Sonntag, 7. August 2016

Basilikum - Zitronen Sirup

Ich habe in diesem Jahr das urbane Garteln für mich entdeckt. Im sehr frühen (und teilweise noch etwas kalten) Frühjahr habe ich mich auf die Socken gemacht und alles eingekauft was das Gärtnerherz so braucht und begehrt... Erde, Erde, Erde, Blumenkisterl, Schaufel, Blähton, Kräuter, Blühpflanzen, Erde, Erde und noch mehr Erde. Ich habe meine Freundin gebeten mit mir den nächstgelegenen Baumarkt zu plündern. Zusammen haben wir ihr kleines Auto gefüllt mit meinem Zeug und glaubt mir, das Auto war wirklich randvoll!

Zuvor studierte ich natürlich ausgiebig und wochenlang welche Kräuter sich mit welchen gut vertragen, welche man so überhaupt rein gar nicht miteinander oder nebeneinander setzen darf. Bisher war ich ja der Ansicht, dass es vollkommen egal wäre, sie werden wohl alle schon irgendwie irgendwo anwurzeln. Aber! So einfach ist das nicht, meine lieben Kräuterfreunde! Denn nicht nur unter Menschen gibt es Einzelgänger, (Nährstoff-)Diebe, gesellige Typen oder anpassungsfähige. Nein, nein, auch Kräuter haben da so ihre Ansprüche, können Egoisten sein oder auch Diven... (diese bittere Erfahrung sollte ich ein paar Wochen später machen, aber dazu nachher mehr.)

Basilikum_Zitronen_Sirup (4)

Binnen weniger Stunden verwandelte ich meinen Betonklotz, also known as Balkon in (m)eine kleine grüne Oase. Hach, wie mir das gefiel. Alles was im Kräuterreich Rang und Namen hatte, fand sich bei mir in einer illustren Runde ein: Unmengen Basilikum, Oregano und Thymian, auch Rosmain und Salbei, jede Menge Minze und Zitronenmelisse. Ja sogar Lavendel, Cola Kraut und Zitronenverbene bekamen ihr Plätzchen. Glücklich und zufrieden bewunderte ich mein Tagwerk und freute mich schon auf die erste Verwendung.

Mein Plan war alle eine essbaren Schätze zu hegen und pflegen, damit es ihnen an nichts fehlt bei mir. Als Pflanzenmami sorgt man sich ja schließlich. Eines sehr stürmischen und regnerischen Abends war ich sogar so eine besorgte Pflanzenmami, dass ich all meine grünen Babies vom Balkon in die Wohnung holte. Draußen war es so derartig nass und kalt und ungemütlich und einfach nur bäääh, dass ich wirklich große Sorge hatte, ihnen könnte etwas passieren. Also habe ich mich so gegen Mitternacht auf den Balkon getraut und meine mittlerweile völlig durchnässten Pflänzchen ins Warme (und vor allem Trockene) geholt. Irre, oder?

Basilikum_Zitronen_Sirup (2)

Tja, leider habe ich nicht von allen die Gunst erhalten. Der Basilikum schoss zunächst ordentlich in die Höhe und ich freute mich wie ein kleines Schnitzerl... nur leider ein bisschen zu früh. Denn so schnell wie er wuchs, ging er auch in die Knie. Ich konnte regelrecht zusehen wie er von Tag zu Tag schwächer und mickriger wurde. Na toll, dachte ich.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass mein Balkon eine eigene Klimazone hat. Dort herrschen Sonne und Wind, vor allem aber Wind... sehr viel Wind. Im Sommer ist es wie in der Wüste, der Winter beschert mir arktische Verhältnisse. Und wenn es regnet... haaa, dann hab ich den schwarzen Peter. Denn wenn es regnet, dann bekomme ich alles, und damit meine ich wirklich, wirklich alles knallhart ab. Also ihr merkt... sehr heftiges Klima auf meinen 5 betonierten Quadratmetern Außenfläche. Tja, und noch bevor der Sommer so richtig begonnen hat, war mein Basilikum auch schon wieder tot... R.I.P.

Nun, vielleicht ist Basilikum einfach nicht mein Kraut und ich sollte mich eher darauf konzentrieren was bei mir wirklich wuchert... so wie Oregano oder Salbei. Davon hab ich nämlich so derartig viel, dass ich regelmäßig alles roden muss, weil sonst alles überwuchert wäre damit.

Dass der Basilkum bei mir nicht wächst, ist aber halb so wild. Bei ihr wächst er im Garten fast schon ein bisschen wie Unkraut. Soll heißen, dass der Basilikum bei ihr wuchert nach links und rechts, nach oben und ein Blatt ist größer als das andere. So viel Pesto kann sie gar nicht essen wie man damit produzieren könnte.

Basilikum_Zitronen_Sirup (1)

Aber sie hat ja immer noch mich.... die Frau, die das divenhafte Verhalten von Basilikum noch nicht so ganz verstanden hat. Und langsam beschleicht mich so ein bisschen das Gefühl, dass der Name Königskraut (eine andere Bezeichnung für Basilikum) nicht von ungefähr kommt...
Und ich bin ja wirklich eine sehr dankbare Abnehmerin. Wenn ich meiner Freundin nämlich sage, sie soll abschneiden so viel sie eben hergeben möchte, dann bekomme ich gleich mal die Hälfte von ihren Bestand überreicht mit den Worten "Nimm! Ich hab eh noch so viel!"

Und so haben wir beide was davon... denn sie weiß nicht wohin mit all dem Grünzeug und freut sich, wenn sie alles selbst verarbeiten muss, dafür aber vielleicht das eine oder andere Endprodukt dennoch für sie abfällt und ich freue mich, dass ich mich um die eigene Aufzucht nicht weiter kümmern muss.

Basilikum_Zitronen_Sirup (9)

Für den Sirup:

- 1 Liter Wasser
- 1 kg Zucker
- 10 - 12 unbehandelte Zitronen
- 2 Bund Basilikum

Die Zitronen heiß waschen und etwa von der Hälfte die Schale abreiben. (Aber nicht das Weiße, sonst wird's bitter!). Alle Zitronen auspressen.
Schale, Saft, Wasser und Zucker in einen großen Topf geben und aufkochen lassen. Basilikum ebenfalls abwaschen und zu dem Sirup dazu geben.

Alles etwa 15 Minuten bei schwacher Hitze köcheln und danach vollständig auskühlen lassen.
Den Sirup durch ein Sieb filtern, um Schale und Basilikum zu entfernen und im Topf nochmal aufkochen. 5 Minuten köcheln lassen.

Danach sofort heiß in sterilisierte Flaschen füllen und verschließen.
Ungeöffnet ist der Sirup etwa eine halbes Jahr haltbar.